05.02.08

Lost in translation

Ich schaue ja so gut wie kein Fernsehen... nein, halt, moment. Ich schaue Fernsehen, aber seltenst seh ich mir das Fernsehprogramm an das man von unseren tollen deutschen TV-Sendern vorgesetzt bekommt. ARD und ZDF verlangen Gebühren für ihr Seniorenprogramm, RTL verblödet einen, RTL2 ist für 14-Jährige, SAT.1 hat seit Harald Schmidt weg ist keine gute Sendung mehr, Pro7 recycled alle Beiträge in drei verschiedenen Sendungen und so tolle Spielfilme zeigt der sogenannte Spielfilmsender nun auch nicht (mehr). Und das waren nur die großen Sender. Nee, nee, den Mist zieh ich mir nicht mehr rein.

Wenn heutzutage bei mir zu Haus die Glotze läuft, dann wird entweder ein Film von DVD geschaut (den ich mir selbst aussuche und ohne dumme Werbung) oder halt eine Serie (die ich mir ebenfalls selbst aussuche - und ohne Werbung, aber mehr dazu gleich). Okay, zugegeben, die Liebste schaut gerne mal "Verbotene Liebe" oder "Das perfekte Dinner" weshalb ich besagte Sendungen auch zwangsweise mitverfolge, aber wenn sie mal nicht da ist (so wie diese Woche) wird dafür die Kiste nicht eingeschaltet.

Hier und heute soll es aber um die Serien gehen - alles andere lassen wir mal aussen vor. Serien werden bei uns nur auf Englisch geschaut. Erst war die Liebste dagegen und meinte es sei zu anstrengend weil man sich dafür so konzentrieren müsse und sie ja gar nicht so gut Englisch könnte. Doch dann habe ich sie dazu gezwungen. Wieder und wieder. Und siehe da plötzlich war es gar nicht mehr anstrengend Gesagtes zu verstehen und ihr Englisch war viel besser geworden. Wieso nur? Jetzt ist die Liebste mir dankbar dafür, dass ich immer drauf bestanden habe und möchte von sich selbst aus keine eingedeutschten Sachen mehr schaun. Also kommen Sie mir nicht mit der Ausrede Englisch sei blöd/schwer/doof. Englisch ist leicht. Was die Liebste kann können Sie auch. Basta!

Es hat nämlich viele Vorteile sich Serien die man mag auf Englisch anzusehen. Zum Beispiel können sie viel eher sehen wie es weiter geht. Es gibt im Internet Möglichkeiten die (noch) nicht mal illegal sind um aktuelle Episoden ihrer Lieblingsserien ein paar Stunden nach der US-TV-Ausstrahlung zu sehen. Sie schauen gerne Heroes? Ich weiss wie Staffel 2 zu Ende geht. Oder für die Damen: Men in Trees. Tolle Serie, gerade erst hier gestartet. In den USA schon mitten in Staffel 2 und somit auch bei mir zu Haus so weit. Und wenn Sie Lost-Fan sind wird sie sicherlich der Anfang von Staffel 4 interessieren, der letzten Donnerstag in den Staaten lief. Es geht spannend weiter. Natürlich können Sie auch gern bis zum Herbst warten bis sie dann von Pro7 erfahren was ich dann schon ein halbes Jahr lang weiss.

Ein weiterer Grund - eigentlich DER Grund - Serien auf Englisch zu schauen ist, dass sie dann in der Originalsprache mit den Originalstimmen sind. Und das kann schon mal die ganze Athmosphäre einer Serie total auf den Kopf stellen. Wenn Sie mir erzählen die Serie "Lost" zum Beispiel sei totale Scheisse dann muss ich ihnen Recht geben. Zumindest sofern wir über die deutsche Fassung reden. Die geht nämlich gar nicht. Bin gestern Abend beim Sinnlos-Zappen drauf hängen geblieben. Es lief irgendeine Folge aus Staffel 3 die ich mal vor nem Jahr oder so im Original gesehen hatte. Das kann sich doch keiner rein tun! Wie kann man Sawyer nur so scheisse synchronisieren? Und ich rede hier nicht darüber das die nicht Lippensynchron wären (was leider auch nicht immer der Fall ist) sondern über diesen schlechten und total unpassenden Sprecher! Ich hatte echt Probleme nicht zu kotzen. Als ich Locke und Ben sprechen hörte übrigens auch. Dann habe ich umgeschaltet.

Dieses Phänomen zieht sich durch viele Serien. Ich will nicht behaupten das alles was ne deutsche Synchronisation bekommt schlecht wird - bei vielem ist es aber so. Zum Beispiel die Austin Powers Filme. "Nicht lustig" sagen Sie? Auf Deutsch sicherlich nicht! Im Original wohl. Anders ist es bei Herr der Ringe. Hier wurden teuer qualifizierte Sprecher gecastet die auch ihr Bestes geben - und kaum Raum für Kritik lassen. Gelder die man in Deutschland für Serien anscheinend gerne mal spart.

Puh. Wie ich merke schreib ich mal wieder viel zu viel und könnte noch viel mehr zu dem Thema schreiben. Deswegen versuche ich mal zum Ende zu kommen. Wenn Sie sich was Gutes tun wollen dann schauen sie Serien auf Englisch! Als guten Tip für Sie habe ich die zwei Serien "Californication" und "Dexter" (nicht "Dexters Lab"!) die beide noch nicht in Deutschland laufen aber wahnsinnig, waaaahnsinnig gut sind.

So. Ich habe zwar nicht fertig, muss aber jetzt weiterarbeiten. Sorry für das holprige Ende hier.

Kommentare:

Marco hat gesagt…

Yeah, bei mir ist das auch so. Nur noch Staffeln und Filme auf DVD werden gesehen. Werbeunterbrechung ade. Aber in Englisch bin ich noch nicht so gebübt, um das tatsächlich alles so anzusehen, aber ich bei jeder Season, die ich besitze schon mal eine Folge in Englisch angesehen, um den Orginalton zu hören. Es stimmt, dass die Deutschen die Synchro verhunzen, genauso wie den Titel. Jeder 2. Film hat einen Beititel. Grausam. Ist Califonication so gut? Ich mag den Hauptdarsteller nicht, aber auf Dexter bin ich auch gespannt. Mal sehen, mal sehen.

PS: Jacks Orginal-Stimme ist doch total schlimm. Wie so eine Disney Cartoon Figur.

schneegespenst hat gesagt…

Ich schaue mir immer im Flugzeug die Filme in der Origianlfassung an. Meist finde ich es auch viel besser. Warum ich das daheim nicht mache, weiß ich garnicht. Mir gefallen die unterschiedlichen Dialekte immer besonders gut. Die Charaktäre kommen viel besser rüber. BTW - Lost in Translation ist ein super Film :-)

Maak hat gesagt…

@marco: du magst den hauptdarsteller von californication nicht?!? blasphemie! der mann wurde in den neunzigern angebetet weil er in "akte x" immer fleissig der wahrheit nachgejagt ist. aber mit 14 jahren kennste das vielleicht ja gar nicht so gut weil du noch'n bissel jung warst als das im tv lief. na toll. jetzt komm ich mir alt vor. naja in "californication" is der auf jeden fall supi gut und hat auch erst kürzlich noch nen golden globe dafür bekommen.
;-)

@schneegespenst: lost in translation ist auf jeden fall ein guter film weshalb ich den titel auch als überschrift benutzt habe (und weil "lost" drin vorkommt und "translation" ^^). mir kommt immer diese eine szene vor augen wenn ich an den film denke: "lupfen mein stlumpf! lupfen mein stlumpf!" hihi. ich lach mich tot.
:-D

six-nine-suited hat gesagt…

Für mich immer noch eines der besten Beispiele bzgl. verhunzter Übersetzung ist "Rush Hour" - auf englisch allein aufgrund Chris Tuckers' Stimme und Jackie's Akzent ein Knaller - auf Deutsch? ... nicht mal halb so witzig. Oder wo wir bei Serien sind: Eine schrecklich nette Familie - von den Lachern des am Set befindlichen Publikums ist nichts übrig in der deutschen Version - nur noch Lacher vom Band. Andere Beispiele wären der Prinz von Bel Air oder ToolTime bzw. Hör mal wer da hämmert. - Im Original way funnier!

Frau Schmidt hat gesagt…

Da kann man sich stundenlang drüber auslassen, über diese Themen. :-) Aber ich geb marco Recht: die Originalsimmen sind nicht immer besser, ich find Jack's auch blöd. Oder John Travolta oder Bruce Willis, um mal ein paar prominente Stimmen zu nennen. Grundsätzlich kann man natürlich den Wortwitz nie mitnehmen. Das ist doch bei der Scheibenwelt genau so, oder, Herr Maak? :-) Obwohl die verdammt gut übersetzt sind.
Und ja: Herr der Ringe ist eine Ausnahme.
Und: Lost in Translation hab ich auch im Regal, großartiger Film! :-) Ganz großes Tennis! Ich liebe Bill!

N(acht)W(ächter) hat gesagt…

Wie schon erwähnt wurde, ein leidiges Thema... zu dem es absolut keine Pauschallösung gibt!
Bie mir persönlich ist das Launenabhängig, wobie ich dann doch doch zum kompletten Entspannungserlebnis auch verstehen will was so abgeht.
Mir fehlt einfach die Sprachpraxis, um alle Informatioen aus einer O-Fassung zu ziehen, besonders wenn die Darsteller über besondere Akzente verfügen...

little james hat gesagt…

serien auf englisch gucken übt auf jeden fall :) ich schau gerne family guy *g*. dabei chips essen und bier trinken. am anfang fällt es schwer, aber nach einer weile gewöhnt man sich dran. und dann wirds einfacher. genauso wie bei englischen büchern.

Maak hat gesagt…

@six-nine-suited: bei "rush hour" geb ich dir vollkommen recht. sitcoms schau ich ja kaum noch, aber früher hab ich mich echt mal ne zeit lang gefragt ob die in den USA auch lacher vom band bekommen.
:-D

@frau schmidt: selbst wenn jemand im original vielleicht ne blödere stimme hat als der deutsch synchronsprecher, so ist im original trotzdem die schauspielerische leistung (sofern vorhanden^^) auf jeden fall besser. ding werden anders betont usw.
wortwitz istn großes problem gerade weil im englischen viel mehr möglich ist als im deutschen. pratchett lese ich dennoch oft auf deutsch obwohls im original meilenweit besser ist.
:-)

@nw: sprachpraxis bekommste am schnellsten um so mehr du dir englische sachen anschaust.
tip: zieh dir ne dvd auf englisch rein mit englischen untertiteln. da kannste mitlesen was die sagen und kriegst auch für gewisse schwierige dialekte schnell ein gefühl.
;-)

@little james: ja family guy ist schon der hammer. kann ich auch nicht genug von bekommen. als ich meinen ipod neu hatte hab ich mir die serie staffelweise drauf gepackt und immer in der mittagspause eine folge auf dem display geschaut. das waren die schönsten pausen überhaupt.
wenn ich family guy jetzt allerdings auf MTV sehe bin ich wieder dem brechreiz nahe. ich glaub die haben peter die deutsche stimme vom prinz von bel air gegeben. passt ja mal gar nicht. und stewie... *würg*
:-)